| Von SZ-Redakteur Peter Bylda
Der neue Airbus A380, der in wenigen Tagen zum Jungfernflug starten soll, ist das größte Zivilflugzeug aller Zeiten. Bei der Entwicklung der Steuerung dieses Riesenfliegers spielte Software aus Saarbrücken eine entscheidende Rolle.
Software aus Saarbrücken
Sie helfen dem Airbus A380 in die Luft: Christian Ferdinand (links) und Daniel Kästner von der Saar- brücker Software- Firma AbsInt waren bei der Entwicklung der digitalen Steue- rung des Riesen- Flugzeugs dabei.
Saarbrücken. Wenn in den nächsten Tagen der neue Airbus A380, das größte (73 Meter Länge), schwerste (560 Tonnen) und teuerste Zivilflugzeug aller Zeiten (210 Millionen Euro) in Toulouse zum ersten Testflug abhebt, dann hängen Wohl und Wehe dieser Flugmaschine an einem dünnen Kabel. Es verbindet den so genannten Flightstick des Piloten mit der FCGU, der "Flight-Control and Guidance Unit", dem Hauptcomputer des fliegenden Riesen.
Der Super-Airbus wird, genau wie ein Computerspiel, digital gesteuert. Der Pilot gibt Kommandos per Software an den Zentralrechner, der diese Signale in Befehle für die vier gewaltigen Triebwerke (125 Tonnen Schubkraft) und die Ruder übersetzt. Mit anderen Worten: Das Leben der Besatzung und später von bis zu 800 Passagieren hängt von einem ultrakomplexen System aus Software, Chips und Drähten ab. Kann so etwas funktionieren, fragt sich da der Laie, der vom Handy bis zum elektronischen Bremsassistenten seines Autos so einiges gewohnt ist, was das Vertrauen in digitale Technik keineswegs steigert.
Es kann, sind Christian Ferdinand und Daniel Kästner vom Saarbrücker Software-Unternehmen AbsInt überzeugt. Denn die digitale Steuerung des europäischen Riesenfliegers hat ihren Jungfernflug bereits hinter sich. Sie wurde selbst getestet und für startklar befunden von einem Computerprogramm, das die Saarbrücker Informatiker entwickelt haben. Die Absolventen der Saar-Universität sind Vertreter eines Forschungsgebiets, das in jüngster Vergangenheit zunehmend von sich reden macht. Es geht um eine besondere Variante des Themas Computersicherheit, um den Beweis, dass ein Computerchip seine Aufgabe unter allen Umständen fehlerfrei und rechtzeitig erfüllen kann. Eine Flugzeugsteuerung muss so sicher sein, dass Systemfehler nur in mathematisch-theoretischen Größenordnungen eine Rolle spielen dürfen. Airbus nennt einen Fall auf eine Milliarde Flugstunden.
Grünes Licht für den A380
Beim Riesenvogel A380 übernahm diese lebenswichtige Überprüfung der Fly-by-wire genannten Flugsteuerung ein Programm von Abs-Int. Diese Saarbrücker Software hat einen unverständlichen Namen ("aiT Worst-Case Execution Time Analyzer"), aber eine leicht nachvollziehbare Aufgabe. Sie untersucht, ob Software-Kommandos, die der Pilot des A380 am digitalen Steuerknüppel gibt, unter allen Umständen rechtzeitig verarbeitet werden können. Die AbsInt-Software gilt weltweit als einziges Computerprogramm, das zu dieser Überprüfung im Stande ist.
Die Steuer-Software an Bord des A380 arbeitet nach einem völlig anderen Prinzip als ein PC-Betriebssystem, erklären Ferdinand und Kästner. Beim PC wird, sobald der Benutzer auf eine Taste oder die Maus drückt, der Programmlauf unterbrochen. Die zuständigen Chips bearbeiten die Ereignisse und liefern ihre Ergebnisse an den Zentralprozessor. Bei der Flugsteuerung fragt der Zentralrechner dagegen in regelmäßigen Abständen von tausendstel Sekunden sämtliche Steuerelemente ab und leitet die Daten an Triebwerke und Steuerruder weiter. "Dabei muss sichergestellt sein, dass alle Aufgaben im vorgesehenen Zeitfenster erledigt werden", erklärt Christian Ferdinand. Der Airbus-Auftrag hat dem 20 Mitarbeiter zählenden Software-Unternehmen, das am Rand des Campus der Saar-Uni zu Hause ist, Umsatzzuwächse "im sechsstelligen Bereich" beschert, so AbsInt-Geschäftsführer Christian Ferdinand. Und die Zeichen stehen gut, dass es auch nach dem Start des A380 bei AbsInt weiter aufwärts geht. Gerade in der Automobilindustrie, die immer stärker auf Elektronik setzt, machten in jüngster Zeit Aufsehen erregende Rückrufaktionen bei digitaltechnisch hoch aufgerüsteten Nobelkarossen deutlich, dass es in Sachen Computerchips einiges zu verbessern gibt.
Hilfe für die Autobranche
Im Gegensatz zur Luftfahrt, wo viel Geld für Sicherheit ausgegeben wird, wird bei den in der Automobilbranche verwendeten milliardenfach produzierten elektronischen Billigbauteilen, Fachausdruck "Embedded Systems", an allen Ecken gespart. "Und wenn solch ein Chip überfordert wird, produziert er eben Daten-Müll", so Daniel Kästner. Ob und wann die Chips ausrasten, kann wiederum die AbsInt-Software vorhersagen. Kein Wunder deshalb: Viele Firmen der Autobranche haben bei AbsInt schon angeklopft. "Mit Bosch, Daimler-Chrysler und Ford sind wir im Gespräch", freuen sich Kästner und Ferdinand.
Mit freundlicher Genehmigung der Saarbücker Zeitung |