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Saarbrücker Zeitung 23.11.2005
Multimedia total: Neue Netzwerk-Technik der Saar-Uni
Saarbrücker Informatiker entwickeln Software, die sämtliche Multimedia-Geräte eines Haushalts vereint – Fernsehbilder beliebiger Auflösung übers heimische Computernetz Informatiker der Saar-Uni haben ein Computerprogramm entwickelt, das es erlaubt, Radios, Fernseher und Handys eines Haushalts zu einem großen Multimedia-Netzwerk zu verbinden.

Von SZ-Redakteur Peter Bylda

Saarbrücken. Unser Umgang mit digitaler Technik ist eine gewaltige Verschwendung. Wir haben eine Stereo-Anlage im Wohnzimmer, daneben einen Fernseher, einen PC im Arbeitszimmer und noch einen Fernseher. Dazu tragbare Elektronik: Handy, Walkman, Kleincomputer. Wir sind von Elektronik umzingelt – doch die ist nicht vernetzt. Deshalb werden Daten heute mehrfach übertragen, in unterschiedlichen Qualitäten und Formaten abgelegt, deshalb braucht jeder Apparat eigene Speicher, eigene Daten – das alles ist unnötig und teuer.

Die Unterhaltungs-Industrie will diesen Zustand ändern und erfand den Multimedia-Computer. Der soll frei nach dem Motto „Einer für alles“ im Wohnzimmer installiert werden und dort übers Heimnetzwerk Zugriff auf sämtliche im Haushalt gespeicherten digitalen Daten bekommen. Doch diese jüngst bei der Cebit präsentierte Technik ist lediglich ein Verkaufsargument für einen zusätzlichen teuren PC, kritisieren Michael Repplinger und Dr. Marco Lohse. Die Informatiker der Saar-Universität kritisieren, der Multimedia-Computer im Wohnzimmer komme zwar im Prinzip mit allen Daten klar, aber eben nicht mit allen Geräten. Sie wollen der Multimedia-Initiative der Industrie deshalb einen viel weiter reichenden Anspruch entgegensetzen: Nicht „Einer für alles“ – „Alles für alle“ lautet ihre Devise.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Lehrstuhls für Computergrafik haben eine Software entwickelt, die es einem Standard-PC erlaubt, Multimedia-Daten für jedes beliebige elektronische Ausgabegerät in einem Computernetzwerk aufzubereiten. Die Technik wird mit dem für den PC-Laien schwer verständlichen Begriff „Netzwerk-Integrierte Multimedia Middleware“ (NMM) bezeichnet. „Sie schaltet sich wie ein Vermittler zwischen eigentlich inkompatible Geräte und übersetzt die Daten“, erklären Repplinger und Lohse. Jeder Apparat kann so jederzeit auf sämtliche Multimedia-Daten, Videos, Bilder, Musikdateien im Heimnetz zugreifen, aus welcher Quelle auch immer sie stammen.

Das Handy wird zum Radio

Da die NMM-Software „weiß“, welche Datenformate die angeschlossenen Geräte verarbeiten und welche Spezial-Hardware in ihnen steckt, kann ein Handy mit dieser Technik zum Beispiel als Radioempfänger benutzt werden. Das Fernsehsignal einer Satelliten-Box wird gleichzeitig auf mehreren Bildschirmen angezeigt, wobei das Bild auch noch an die unterschiedlichen Auflösungen dieser Monitore angepasst wird.

Im Prinzip kann sogar der Mini-Monitor eines Taschencomputers (PDA) als Fernsehbildschirm benutzt werden, demonstrieren die Informatiker. Wer bei ihrer Vorführung einen Berg Hightech zu finden erwartet, wird sich wundern. Die Multimedia-Maschine, auf der die beiden Studenten ihr System präsentieren, basiert auf einem einfachen PC in einem wohnzimmertauglichen Gehäuse. Einziger augenfälliger Unterschied: Dieser an einen Fernseher angeschlossene PC wird nicht mit einer normalen Tastatur, sondern per Fernbedienung gesteuert.

Über vier Jahre Arbeit stecken in der Saarbrücker Multimedia-Technik, so Professor Philipp Slusallek vom Lehrstuhl für Computergrafik, der die Entwicklung leitet. „So etwas hat bisher unseres Wissens nach noch niemand entwickelt“, lobt der Professor das Werk seiner Mitarbeiter, dessen denkbare Anwendungen weit über die Unterhaltungselektronik hinausreichen. Die Informatiker suchen nun nach einem Unternehmen, mit dessen Hilfe die Entwicklung der Saar-Universität vermarktet werden soll.

Bildunterschrift TV für den Taschen-Computer: Michael Repplinger und Marco Lohse (von links) haben an der Saar-Uni Software entwickelt, die Filme, Fernsehsendungen und Musik für alle Multimedia-Geräte eines Netzwerks aufbereitet. Foto: Bilderwerk

Mit freundlicher Genehmigung der Saarbrücker Zeitung

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