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Konrad Zuse gilt als Vater des Computers. Sein Sohn Horst hat jetzt das Saarland besucht und dabei einen der ersten Computer seines Vaters in Augenschein genommen.
Von Sz-Mitarbeiterin Monika Schmitt
Saarbrücken. Das Saarland birgt einen seltenen Informatikschatz: Er füllt den Laderaum eines Kleinlasters, hat die Rechenkapazität eines handelsüblichen Taschenrechners und trägt den trockenen Namen Z23. Gemeint ist ein früher Computer des Berliner Wissenschaftlers und Unternehmers Konrad Zuse. Der hatte 1941 nach zwei Vorgängermodellen mit einer Z3 genannten Apparatur den ersten Computer der Welt gebaut.
„Die Anerkennung für diese Leistung hat er aber erst in den 60er Jahren erhalten“, erläuterte vor kurzem sein Sohn Horst bei einem Besuch im Saarland. „Bis dahin galt der US-Amerikaner Howard Aiken als der Erfinder moderner Computer.“ Zuse war eigens nach Saarbrücken gekommen, um bei der Nacht der Informatik einen Vortrag über das Leben seines 1995 verstorbenen Vaters zu halten. Da freute ihn die Nachricht umso mehr, dass im Saarland einer der wenigen funktionsfähigen „Enkel“ des Z3 aufgetaucht ist. „Vom Z23 sind seinerzeit nur 98 Stück geliefert worden. Entstanden sind sie zwischen 1961 und 1970. Heute existieren vielleicht noch fünf oder sechs davon“, erklärte der Informatikdozent der Technischen Universität Berlin.
Zu verdanken ist der Erhalt der digitalen Rechenmaschine der Sammelleidenschaft von Werner Deller. Der 51-jährige Informatiker und Betreiber der Saarbrücker Kunstgalerie K4 hat sie Mitte der 80er Jahre einem ehemaligen Techniker der Zusewerke abgekauft. Nun steht die mehrteilige Apparatur in der alten Baumwollspinnerei in St. Ingbert. Vier Tage brauchte Deller, um sie aufzubauen. Denn mit heutigen PCs hat sie so viel gemein wie ein Fahrrad mit einem Ferrari.
In drei großen, an silberne Aktenschränke erinnernden Kästen verbirgt sich sein Innenleben: Die Zentraleinheit, sozusagen das Herz, und die Festplatte, das Gedächtnis des Computers. Die Zentraleinheit besteht aus mobilen Schwenkarmen, auf denen insgesamt 1000 Platinen, also Platten mit elektronischen Bauteilen, angebracht sind. Die „Festplatte“ besteht hier aus einer Trommel von der Größe eines Abfalleimers. Vor den Schränken ist das „Cockpit“, ein Tisch mit einem Aufsatz für die Bedienungsknöpfe, aufgebaut. Als Ausgabegerät dient ein schreibmaschinenähnliches Telex-Gerät, das Papier von der Rolle auswirft. „Die Primzahlen von 1 bis 1000“ hat der Computer kürzlich nach einem Originalprogramm berechnet. „Dafür hat der Z23 etwa fünf bis zehn Minuten gebraucht“, erläutert Werner Deller. Heutige Computer arbeiten nach Zuses Auskunft 30000-mal schneller. Und um einiges leiser. Denn da es früher noch keine Bildschirme gab, baute Zuse einen Lautsprecher in das elektronische Gefüge ein. Der übertrug die Laufgeräusche der Apparatur zum Bediener und ermöglichte eine akustische Kontrolle.
Als Werner Deller den Z23 schließlich einschaltet, ist der Lautsprecher nicht einmal angeschlossen. Dennoch ertönt ein Lärm , der an ein startendes Flugzeug erinnert. Es dauert einige Minuten, bis die Maschine ruhiger läuft. Horst Zuse ist berührt: „Als kleiner Junge bin ich immer durch die Zuse-Werkstätten gestreunt und habe den Arbeitern zugesehen. Sie haben mir beigebracht, mit dem Lötkolben umzugehen und mir auf Geheiß meines Vaters nicht gebrauchte Teile zum Basteln mitgegeben“, erzählt er.
Auf die Idee zu einer automatischen Rechenmaschine kam Konrad Zuse, weil er als Flugzeugingenieur viele Rechnungen ausführen musste. 1938 entwickelte er „Plankalkül“, die erste Programmiersprache. „Er sagte damals voraus, dass in 50 Jahren ein Computer den Schachweltmeister schlagen würde, was damals fast noch undenkbar war“, erzählt sein Sohn. „Er hat sich nur um wenige Jahre geirrt.“ |