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Saarbrücker Zeitung 17.07.2007
Software ohne Fehl und Tadel
Digitale Garantie: Saarbrücker Informatiker entwickeln Gütesiegel für fehlerfreie Hard- und Software
Kann ein PC-Chip Fehler machen? Ist Software wirklich sicher? Mit diesen Fragen befassen sich Informatiker der Saar-Uni im Verisoft-Projekt. Das Forschungsministerium fördert sie mit vier Millionen Euro.

Von SZ-Redakteur Peter Bylda

Saarbrücken. PC-Software ist ein Riesengeschäft. Doch eines mit Tücken. Über 40 Milliarden Dollar im Jahr kostet in den USA die Reparatur fehlerhafter Computerprogramme. In Europa ist der Schaden mindestens doppelt so hoch. Statistisch kommen in heutigen Programm-Paketen auf 1000 Zeilen Code ein bis zwei Fehler. Sie zu finden, gleicht der Suche nach einer Nadel in einer Wiese voller Heuhafen. Kein Wunder, dass die Programmierer über die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit der Fehlersuche verbringen. Kein Wunder auch, dass die Industrie nach einem Verfahren giert, das eine fehlerfreie Digitaltechnik garantiert.

Millionen für die Saar-Uni

Das Forschungsprojekt Verisoft soll dafür nun die Voraussetzungen schaffen. Zwölf Millionen Euro will das Berliner Forschungsministerium in dieses Projekt zur Entwicklung fehlerfreier Hard- und Software investieren, in dem bundesweit sieben Hochschulen und zehn Unternehmen zusammenarbeiten. Koordiniert wird Verisoft vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken, denn das Saarland spielt in diesem Projekt eine Schlüsselrolle.

Rund vier Millionen Euro fließen ins saarländische Verisoft-Programm, das an der Saar-Uni vom Informatik-Professor Wolfgang Paul geleitet wird. Seine Arbeitsgruppe entwickelte bereits vor vier Jahren die Idee eines „Hardware-TÜV“, der fehlerfreie Computerschaltkreise garantiert.

Der Beweis, dass ein Prozessor fehlerfrei arbeitet, führt über Verfahren, die jeden seiner Arbeitsschritte in die mathematischen Grundelemente zerlegen. Erster Testkandidat der Saar-Uni war der Tri-Core-Prozessor des Chipherstellers Infineon, der nun als garantiert fehlerfrei gilt, erläutert Thomas In der Rieden. Der DFKI-Informatiker ist Manager des erweiterten Verisoft-Projekts. „Verisoft XT“, bei dem auch der Microsoft-Konzern mitmacht, soll ein Gütesiegel für Software entwickeln. Das ist nun wesentlich komplizierter, da PC-Programme viel umfangreicher als der Befehlssatz eines Prozessors sind und zudem ständig untereinander Daten austauschen.

Software im Härtetest

An den Sicherheits-Check eines Betriebssystems wie Windows, das rund sechs Millionen Codezeilen umfasst, sei gegenwärtig nicht zu denken, so In der Rieden. Die Informatiker wollen sich in den nächsten drei Jahren auf die Überprüfung eines neuen Schlüsselelements im Windows-Kern konzentrieren. Das Hypervisor genannte Programm umfasst zwar nur 50000 Codezeilen, sitzt aber im Nervenzentrum von Microsofts Betriebssystem.

Der Hypervisor, so In der Rieden, ist ein „Betriebssystem für Betriebssysteme“ und soll künftig PC-Nutzern erlauben, was heute unmöglich ist: auf einem Rechner mehrere Betriebssysteme parallel laufen zu lassen. Das Programm müsse garantieren, dass aus diesen unterschiedlichen Software-Welten keine unerlaubten Zugriffe auf geschützte Bereiche im Arbeitsspeicher möglich und vertrauliche Daten sicher sind. Doch wie sicher ist diese Garantie? Das ist eine der Fragen, die im Rahmen des Projekts Verisoft XT zur Debatte stehen.

Außer PC-Programmen werden die Informatiker auch Software unter die Lupe nehmen, die in der Luftfahrt eingesetzt wird, und wollen Hightech-Autos unters Blech schauen. In einem Auto stecken heute im Schnitt 50 digitale Steuergeräte mit je 300 Elektronikbauteilen, so Thomas In der Rieden. Schon in wenigen Jahren sollen Autos doppelt so viel Elektronik enthalten. Das Etikett „Garantiert fehlerfrei“ könnte sich da schnell zu einem Verkaufsschlager entwickeln.

Bildunterschrift

Gütesiegel für Computerprogramme: Thomas In der Rieden ist Leiter des Verisoft-Projekts. Es entwirft Methoden zur Überprüfung von Hard- und Software, die in Computern, im Automobilbau und in der Luftfahrt eingesetzt wird. Foto: Bellhäuser

Mit freundlicher Genehmigung der Saarbrücker Zeitung

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