VERKEHR und UMWELT
In Echtzeit virtuelle Welten begehen
Kaum ein Grafikchip-Hersteller weltweit kommt inzwischen ohne das so genannte Raytracing-Verfahrens im Bereich der grafischen Bilddarstellung aus. Das Verfahren galt lange Zeit als zu langsam und zu ressourcenintensiv. Es ist in der Lage, das Sehen des Menschen zu simulieren und macht es möglich, sich in virtuellen Welten in Echtzeit zu bewegen. Möglich wird dies durch neue und effizientere Rechenvorschriften, den so genannten Algorithmen.Die revolutionäre Weiterentwicklung weckte schnell das Interesse der Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie. So gelang es erstmals, ein Exemplar des Langstreckenflugzeugs Boeing 777 auf Basis der Original-CAD-Daten dreidimensional in allen Einzelheiten bis zum kleinsten Einzelteil nachzubilden und interaktiv zu begehen. Entscheidender Vorteil des Saarbrücker Raytracings gegenüber herkömmlichen Verfahren: die Algorithmen können auf mehrere Rechnersysteme verteilt werden und ermöglichen ganz neue Anwendungsmöglichkeiten, etwa die detailgetreue Nachbildung ganzer Landschaften von der Topografie bis zur einzelnen Pflanze. Damit können etwa Verkehrsströme und die Ausbreitung von Funkwellen viel genauer als bisher simuliert werden.

Den Stromertrag von Photovoltaikanlagen vorhersagen
Netzbetreiber und Energieerzeuger müssen sich darauf einstellen, dass mit dem steigenden Anteil an erneuerbaren Energiequellen die Stromnetze in Zukunft stärkeren Schwankungen ausgesetzt sind. Ein wesentlicher Schritt besteht in der Möglichkeit, die zu erwartende Strommenge, etwa von Photovoltaikanlagen, in Abhängigkeit von Wetterschwankungen vorherzusagen. Eine entsprechende Software von Saarbrücker Informatikern, entwickelt in Kooperation mit der Luxea GmbH und den Stadtwerken Sulzbach, ist in der Lage, auf Basis von Radarbildern des Deutschen Wetterdienstes die zu erwartende Strommenge von regionalen Photovoltaikanlagen im Versorgungsgebiet des regionalen Stromversorgers zu berechnen. Die Vorteile für die Stadtwerke liegen auf der Hand: Sie können durch eine kurzfristige Vorhersage den Zukauf teurer Regelenergie vermeiden, zum Wohl ihrer Kunden. Auch Überversorgung und damit verbundene Engpässe im Stromnetz lassen sich eher vermeiden.
Sichere Software für größtes Passagierflugzeug der Welt
Der weltweit zunehmende Flugverkehr stellt besonders strenge Anforderungen an die Zuverlässigkeit von Steuerungssystemen. Bei der Entwicklung des größten Passagierflugzeuges der Welt, dem A 380, konnte die AbsInt GmbH, eine Ausgründung der Saarbrücker Informatik, mit einer neuartigen Software die Sicherheit im Flugbetrieb entscheidend erhöhen. Bei modernen Flugzeugen existiert keine direkte Verbindung mehr zwischen der Hydraulik und den Steuerungskomponenten. Die hydraulische Steuerung durch den Menschen ist durch eine digitale Steuerung ersetzt. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Lenkbefehle des Piloten zeitnah von der Steuerungssoftware umgesetzt werden. Die von AbsInt entwickelte Software garantiert, dass sämtliche Bestandteile der Flugsteuerungs-Software innerhalb von genau festgelegten Zeitintervallen korrekt reagieren. Außer in der Luftfahrt kann die Software von AbsInt überall dort, wo zeitkritische Systeme für die Sicherheit von Menschen wichtig sind, zum Einsatz kommen. Das Software Werkzeug des Saarbrücker Unternehmens erhielt 2003 den „European Information Society Technology Prize“, den angesehensten europäischen Technologiepreis „für bahnbrechende Produkte“, der jährlich „an die 20 innovativsten Unternehmen Europas“ vergeben wird.
GESUNDHEIT
Maßgeschneiderte AIDS Therapien
Der Kampf gegen den HI-Virus gehört neben den Ansätzen für eine verbesserte Krebstherapie zu den anspruchsvollsten Forschungsfeldern der modernen Medizin. Saarbrücker Forscher des Zentrums für Bioinformatik haben mit ihren Forschungsergebnissen entscheidend dazu beigetragen, die Therapie von an AIDS erkrankten Patienten deutlich zu verbessern. Da AIDS bislang nicht heilbar ist, kommt Präparaten, die ein Ausbrechen der Krankheit verhindern oder zumindest hinauszögern, höchste Bedeutung zu. Das HI-Virus ist jedoch höchst wandlungsfähig und passt sich veränderten Bedingungen sehr schnell an. Deshalb kommt es entscheiden darauf an, dem Virus mit einem Cocktail an möglichst vielen geeigneten Wirkstoffen zu begegnen. Mehr als zwei Dutzend dieser Wirksubstanzen stehen zur Verfügung, so dass die richtig Kombination lebensverlängernde Bedeutung hat. Mit der im Saarbrücker Bioinformatik Zentrum entwickelten Software ist es möglich, auf Grundlage der vorhandenen Genomsequenz des HIV-Patienten die Resistenzwahrscheinlichkeit des HI-Virus abzuschätzen. Dies ermöglicht eine viel genauere Zusammenstellung von Wirkstoffen und reduziert nachhaltig falsche Wirkstoffkombinationen. Mehr als 60 Prozent der behandelnden Ärzte in Deutschland setzen die auf einem Webserver frei zugängliche Software der Saarbrücker Forscher inzwischen erfolgreich ein. Weltweit wurden bislang mehr als 120.000 Anfragen aus über 30 Ländern registriert.

Medikamente in vernetzten Forscherteams entwickeln
Den langwierigen Prozess der Medikamentenentwicklung wollen Bioinformatiker in Saarbrücken und Tübingen beschleunigen. Sie haben die Software BALLView entwickelt, mit der man neue Wirkstoffe entwerfen und visualisieren kann. Jetzt vernetzen sich internationale Forscherteams damit auch über das Internet, um dreidimensionale Modelle von Molekülen am Bildschirm zu bearbeiten. BALLView ermöglicht es den Wissenschaftlern, weltweit komplexe Moleküle gemeinsam und zeitgleich zum Beispiel über das Internet dreidimensional zu modellieren. Durch eine Erweiterung von gewöhnlichen Webbrowsern können damit komplexe dreidimensionale Graphiken dargestellt werden. Diese neue Web-Technologie wurde in die BALLView-Software integriert. Außerdem können die Forscher ihre Ideen jetzt direkt über ein Chat-Fenster in BALLView selbst diskutieren.
Weitere Informationen: www.ballview.org
Entschlüsselung des menschlichen Genoms
Zu den Mammutprojekten der Medizingeschichte zählt die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts. Das Human Genome Project hatte sich als internationales Forschungsprojekt im Jahr 1990 gegründet mit dem Ziel, bis zum Jahr 2003 ein öffentliches Genomprogramm zu veröffentlichen. Acht Jahre nach Gründung des Human Genome Pojects schickte sich der amerikanische Wissenschaftler Craig Venter an, das menschliche Genom schneller und weitaus kostengünstiger als mit herkömmlichen Verfahren zu entschlüsseln. Venter setzte bei seiner Arbeit auf ein Computerprogramm, das wesentlich vom Saarbrücker Informatik-Forscher Knut Reinert beeinflusst war. Er verwendete bei der Entwicklung des Programms eine Software-Bibliothek mit der Bezeichnung LEDA. Dieser weltweit umfangreichste Software-Baukasten entstand im Saarbrücker Max-Planck-Institut für Informatik.
3-D Welten im Westentaschenformat
Angesichts der zunehmenden Informationsflut in allen Bereichen unseres Lebens gewinnen Möglichkeiten des mobilen Zugriffs auf große Datenmengen zunehmend an Bedeutung. Im Bereich der medizinischen Diagnose kommen verstärkt Bild gebende Verfahren, wie etwa Computer- oder Kernspintomografien bei der Diagnose zum Einsatz. Die Bewertung dieser Daten setzt bislang leistungsstarke Rechner voraus und waren nicht geeignet für eher leistungsschwache mobile Endgeräte. Forscher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz ist inzwischen gelungen, was zuvor nur mit leistungsfähigen Computern möglich war: Die Darstellung und Bewertung riesiger grafischer Datenmengen auf mobilen Handhelds oder Handys. Medizinische Aufnahmen des menschlichen Körpers können in unterschiedlichen Darstellungen und Auflösungen betrachtet werden. Schnelle Rechenverfahren erlauben darüber hinaus die Darstellung von weitaus mehr Details als bei herkömmlichen 3-D-Bilden. Dies erlaubt deutlich verbesserte diagnostische Verfahren auch an Orten, an denen bislang keine hochauflösenden Daten zur Verfügung standen. Im Ernstfall können solche Möglichkeiten lebensrettend sein. Mit seiner Detailgenauigkeit und seiner Leistungsfähigkeit ist das Visualisierungsprogramm der Saarbrücker Forscher weltweit bislang einzigartig.
LIFESTYLE und KOMMUNIKATION

Digitales Verfallsdatum für Fotos im Internet
Bislang konnten Internetnutzer sich nicht darauf verlassen, dass sie ihre Daten ohne Weiteres wieder löschen konnten. Saarbrücker Informatiker haben ein System entwickelt, mit dem auch Computerlaien im Internet private Informationen wie Bilder und Dateien mit einem Verfalldatum versehen können. Zunächst werden dazu die im Internet veröffentlichten privaten Daten verschlüsselt und deren Schlüssel auf vertrauenswürdigen Servern abgelegt. Der Server löscht nach Ablauf einer fest gelegten Frist alle herausgegebenen Schlüssel und verhindert so den Zugriff auf die zuvor gespeicherten Inhalte. Der automatische Zugriff von großen Suchmaschinen auf verschlüsselte Daten wird durch so genannte Captchas verhindert, also bestimmte Buchstaben-Zahlenkombinationen, die von Menschen, nicht jedoch von Computern gelesen werden können. Homepage x-Pire

Perfekter Make-up Vorschlag aus dem Computer
Forscher des Max-Planck-Instituts für Informatik haben ein Programm entwickelt, das für ein fotografiertes Frauengesicht das passende Make-up auswählt und direkt am Bildschirm anzeigt. Es nutzt dafür eine Datenbank mit geschminkten Gesichtern und überträgt besonders vorteilhafte Schmink-Varianten auf Augen, Lippen und Teint. Das virtuelle Make-up kann dann auch unter verschiedenen Lichtverhältnissen bewertet werden. Für das Make-up-Programm wurden rund 60 Frauengesichter im ungeschminkten und geschminkten Zustand unter verschiedenen Lichtverhältnissen fotografiert. Danach entstanden aus diesen Aufnahmen im Computer dreidimensionale Modelle der Gesichter. In diesen räumlichen Modellen können die Farbe der Haut, Augen und Haare sowie die Gesichtsform genau analysiert und bewertet werden. Nach Speichern der Merkmale in einer Datenbank können sie mit neuen Gesichter abgeglichen werden. Mit speziellen Algorithmen findet der Computer automatisch heraus, welches Make-up die Gesichtszüge einer Frau besonders schön untermalt.
Dem Web 3.0 die Türen öffnen
Das Internet wird zunehmend zu einem riesigen Sammelbecken an Informationen in Form von Text, Bild, Grafik oder Videos. Nicht der Zugang zu diesen Information stellt das eigentliche Problem dar, sondern das zielgerichtete Finden von Antworten auf offene Fragen. Dem Ziel, Suchmaschinen zu entwickeln, die Anfragen in natürlicher Spracheverarbeiten und darauf sinnvolle Antworten finden, haben sich Forscher des Saarbrücker Max-Planck-Instituts für Informatik zum Ziel gesetzt. Dazu werden vorhandene Wissensquellen wie Wikipedia und Web Communities automatisch analysiert und zueinander in Beziehung gesetzt. Damit wird die Voraussetzung für die Informationsrecherche in menschlicher Sprache geschaffen. Ziel ist es, die Informationen im Web von Computern interpretieren und automatisch maschinell weiterverarbeiten zu lassen. Informationen über Orte, Personen und Dinge werden sinnvoll miteinander in Beziehung gesetzt. Der Weg zum semantischen Web nimmt Gestalt an.
Programmfehler finden und automatisch reparieren
Mitunter sind es kleine Softwarefehler, die Produktionsstraßen lahmlegen, den Betriebsablauf auf Flughäfen stören oder ganze Lieferprozesse unterbrechen. Sinnvoller als Softwarefehler erst nach deren Auftauchen zu beseitigen, ist es, die Fehler in Computerprogrammen vor ihrem Eintritt zu entdecken und automatisch zu beheben. Eine Softwarebibliothek namens “Pachika”, die genau diesem Ziel dient, hat ein Saarbrücker Forscherteam des Lehrstuhls für Softwaretechnik entwickelt. Die Softwarebliothek wird in ein bestehendes Computerprogramm in der Art eines Reparatursets eingefügt. Hängt sich das Programm an einer bestimmten Stelle auf oder stürzt es gar komplett ab, analysiert Pachika, was den fehlerhaften Programmablauf von den vorhergehenden fehlerfreien Abläufen unterscheidet. Nach Erkennen des Fehlers repariert das System selbstständig die entsprechende Fehlfunktion ohne Eingreifen eines Programmierers.
Die Datenflut von 3D-Scans beherrschbar machen
3D-Scanner werden heute in der industriellen Qualitätskontrolle, Bauplanung und der Städtevisualisierung eingesetzt. Dabei entstehen sehr große Datenmengen, die auch leistungsfähige Computer an ihre Grenzen bringen, vor allem dann, wenn die Daten in Echtzeit verarbeitet werden. Forscher des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken haben jetzt ein Verfahren entwickelt, um riesige, dreidimensionale Scans auf einem Standard-PC zu verarbeiten. Mit besonders ausgeklügelten Algorithmen ist es jetzt möglich, die riesigen Datenmengen aus einem Scanvorgang zu verarbeiten und zu begutachten. Damit lassen sich diese Daten mit einem Standard-PC interaktiv visualisieren und verändern. Sich wiederholende Strukturen in den erfassten Objekten, etwa von Parkhäusern oder mittelalterlichen Bauten, können automatisch erkannt und auf ihre wesentlichen Bauteile reduziert werden. Damit wird die Datenmenge wesentlich kleiner und kann viel schneller verarbeitet werden. Eine Herausforderung sind auch unvollständige Daten, die entstehen, wenn einzelne Objekte bei der Aufnahme verdeckt sind. Die Software ist in der Lage, solche fehlerhaften Daten zu ergänzen. Wenn beispielsweise eine Gebäudewand gescannt wird und nicht alle Fensterrahmen deutlich zu erkennen sind, überlagern wir mehrere bruchstückhaft erfasste Rahmen und erhöhen dadurch deutlich die Bildqualität.

Neue Protokolle für das Internet-Fernsehen der Zukunft
Immer mehr Kunden nutzen das Internet, um Kinofilme, Fernsehserien oder Live-Sendungen aus dem Sport am heimischen Fernseher anzuschauen. Im Gegensatz zur Fernsehübertragung per Antennenkabel oder Satellit bietet das Internet jedoch keine Garantie dafür, dass Videodaten auch in hoher Qualität beim Verbraucher ankommen. Schuld daran ist das so genannte Transport-Protokoll im Internet, das die Datenübertragung regelt. Es wurde ursprünglich nur für Texte und Bilder entwickelt und ist daher für komplexe Multimedia-Daten nur bedingt geeignet. Saarbrücker Forscher haben jetzt ein eigenes Transport-Protokoll entwickelt, mit dem man vorhersagen kann, welche Bildqualität beim Kunden ankommt. Es berücksichtigt dabei die unterschiedlichen Strukturen der einzelnen Netzwerke, vom Breitbandanschluss bis hin zum Mobilfunk. Mit einem selbst entwickelten Transportprotokoll wird der Übertragungsweg der Datenpakete durch unterschiedliche Netzwerktypen, angefangen bei leistungsfähigen Glasfaserverbindungen über Breitband-DSL-Anschlüsse bis hin zu kabellosen Heimnetzwerken oder dem mobilen UMTS-Empfang, besser überwacht. Dabei nutzen die Forscher mehrere Kontrollknoten auf dem Transportweg, um die Eigenheiten jedes Netzwerkes besser zu berücksichtigen.









