Journalistenpreis Informatik

Preisträger 2016

Print
Eva Wolfangel, Die Zeit, Die perfekte Erinnerung

Begründung der Jury:

„Die Autorin berichtet über Softwaresysteme, die Menschen im Alltag als Erweiterung ihres Gedächtnisses, ihres Gehirns dienen sollen. Die Software ist meist auf einem mobilen Mini-Computer installiert, der kontinuierlich den jeweiligen Moment über Mikrophon aufnimmt oder per Kamera filmt. Zur Recherche besucht die Autorin knapp zwei Jahre hinweg Wissenschaftler, die an solchen Softwaresystemen forschen und diese selber an sich testen. Ihre Fragen sind stets neugierig und gehen weit über das wissenschaftliche Fachgebiet hinaus. Die Wissenschaftler gewähren ihr so auch Einblicke in ihr privates Leben bis hin zum Kontrollverlust gegenüber der Technologie. Da die Autorin die Interviewsituation pointiert schildert, sich auf geschickte Art und Weise mit ihren persönlichen Erfahrungen selber in die Erzählung einbringt, gelingt es ihr, den Moment zu treffen, in dem sich für die Gesellschaft relevante Werte zu ändern drohen. Auf diese Weise regt sie zum Nachdenken an und schafft Raum für eine Diskussion, die dringend notwendig ist.“

Hörfunk
Frank Grotelüschen, Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt

Begründung der Jury:

„Der Autor greift die Anfang 2014 an das Licht der Öffentlichkeit gedrungene Enthüllung auf, dass der US-amerikanische Geheimdienst NSA an einem neuartigen Rechnertyp arbeitet und geht der Frage nach, welche Folgen sich durch einen solchen Quantencomputer für die IT-Sicherheit der Menschen im Alltag ergeben. Dazu befragt er eine Vielzahl von Forschern an Universitäten und Max-Planck-Instituten in Deutschland und konsultiert ebenfalls Wissenschaftler aus der Schweiz und England. Trotz der Fülle des Materials und der Komplexität des Quantenrechners vermittelt der Autor die neuartige Technologie relativ einfach. Die Jury lobt ausdrücklich den Mut, sich solch einer Herausforderung zu stellen. Indem der Autor nicht nur die aktuellen Fortschritte in der Wissenschaft schildert, sondern auch wichtige Meilensteine aus der Vergangenheit der Kunst um die Ver- und Entschlüsselung nennt, zeichnet der Autor in dem Beitrag ein fundiertes Gesamtbild, mit dessen Hilfe die Hörer die akute Bedrohung nachvollziehen können.“

Fernsehen
Axel Bach, Ralph Caspers, Ulf Kneiding, Jakob Kneser, Peter Krachten, Wolfgang Lemme, Carsten Linder, Haluka Maier-Borst, Frank Nischk, Birgit Quastenberg, Jan Rähm und Jörg Schieb, Westdeutsche Rundfunk, Cyberwar – 7 Dinge, die Sie wissen sollten

Begründung der Jury:

„Mit einer eindringlichen, sehr bunten Bildsprache und einer Vielzahl von unterschiedlichen Beiträgen, angefangen bei einem simulierten Angriff im Labor über die erfundene Geschichte um einen Senior und seine Enkelin bis hin zu investigativ anmutenden Dokumentationen, gelingt es dem Beitrag, nicht nur für IT-Sicherheit zu sensibilisieren, sondern auch die Methoden dahinter zu erklären. Zusammen mit der lebhaften, liebevoll gestalteten Moderation, die das Bindeglied zwischen den einzelnen Beitragsblöcken ist, schafft es der Beitrag, Zuschauer jeden Alters anzusprechen. Selbst Personen, die sich in der Materie gut auskennen, lernen noch etwas.“

Preisträger 2015

Print
Tina Kaiser, Thomas Jüngling, Benedikt Fuest und Thomas Heuzeroth,
Welt am Sonntag,
„Die Menschenversteher“

Begründung der Jury:

„Die Autoren zeigen anhand vieler Beispiele wie Wissenschaftler daran arbeiten, Maschinen Gefühle beizubringen. Der Artikel liest sich wie die Reportage einer Reise durch die Forschungslabore der Welt. Vielschichtig und lebendig geschrieben zeigt der Artikel, was heute schon technisch möglich ist – also kein Science Fiction mehr ist - und wo die Visionen hinzielen, immer auch auf dem schmalen Grad hin zur Horrorvision. Die anschaulichen Beschreibungen wirken nicht aufdringlich, sondern lassen dem Leser die Freiheit, selbst darüber zu urteilen, was wünschenswert wäre und was nicht. Obwohl vier Autoren an diesem Text gearbeitet haben, sind keine Brüche zu erkennen, sondern alle Szenen und Personen wurden recht kunstvoll miteinander verwoben. Die kritische Auseinandersetzung mit dem, was technisch möglich ist, aber vielleicht von der Gesellschaft nicht erwünscht, wird am Ende mit mehreren Beispielen nochmals sehr gut auf den Punkt gebracht.“

Hörfunk
Dirk Asendorpf, Südwestrundfunk, Roboterethik – Darf uns Technik beherrschen?

Begründung der Jury:

„Dirk Asendorpf setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, wie stark Robotertechnik in unser Leben eingreifen kann. Er zeigt dabei auf, wo Grenzen überschritten werden, weil die Roboter den Menschen beherrschen und nicht umgekehrt. Der Autor warnt davor, dass viele nicht wahrhaben wollen, wie schnell technische Neuerungen in der Robotik, die für die zivile Gesellschaft hohen Nutzen bringen, auch für militärische Zwecke eingesetzt werden können. Wie schwierig es ist, ethische Leitlinien für die Robotik zu formulieren, macht Asendorpf aber auch an den kulturellen Unterschieden in Europa und Ostasien fest. Während man hierzulande skeptisch mit Robotern als persönlichen Assistenten umgeht, werden diese in Japan wie menschliche Wesen mit eigenen Emotionen behandelt. In seiner vielschichtigen Reportage hat Dirk Asendorpf die aktuelle Forschung kritisch durchleuchtet und die vielen noch ungelösten ethischen Fragen sichtbar gemacht.“

Fernsehen
Michael Bartlewski, Lisa Altmeier und Robert Stöger, Bayerischen Fernsehen, Die Frage: Muss ich Angst vor Hackern haben?

Begründung der Jury:

„Das Fernsehteam um Michael Bartlewski hat alltagsbestimmte Fragen aufgeworfen und diese in äußerst kurzweiliger Form dem jungen Zielpublikum vermittelt. Mit einer modernen Bildsprache und überzeugenden Moderation haben die Autoren das Problembewusstsein der Zuschauer geschärft und auch Menschen ohne IT-Kenntnissen nahegebracht, wie einfach jeder Ziel eines Hackerangriffs werden kann. Durch die authentisch inszenierten Attacken konnten die Zuschauer nachvollziehen, dass es nicht viel krimineller Energie bedarf, um in die Privatsphäre der Menschen einzudringen. Die auf lockere, fast freundschaftliche Weise interviewten Experten kamen so lebensnah rüber, dass man als Zuschauer das Gefühl hatte, direkt daneben zu sitzen und selbst Betroffener zu sein.“

Preisträger 2014

Print
Christian Weber,
Süddeutsche Zeitung,
Liebe ist . . . wenn sie sich berechnen lässt

Begründung der Jury:

„Christian Weber zeigt mit vielen Beispielen, wie Computer immer besser Gefühle und Stimmungen erkennen können. Sie helfen Callcentern, verärgerte Kunden zu filtern, Online-Partnerbörsen, die Liebe des Lebens zu vermitteln und Börsenmaklern, einen Aktienabsturz vorherzusehen. Der Artikel beeindruckt durch seine sprachliche Finesse, seine besonders ausgeklügelte Struktur und die verständliche Darstellung komplexer Zusammenhänge. Sätze wie ‚Und die Algorithmen filtern den Zufall einfach weg‘ oder ‚Platte Mathematik für das schönste der Gefühle. Geht da nicht aller Zauber verloren?‘ sorgen für Lesespaß über die gesamte Zeitungsseite hinweg. Christian Weber ist es gelungen, die Rationalität, die ein Computer verkörpert, der nur schwer berechenbaren Emotionalität eines Menschen gegenüberzustellen. Er setzt sich dabei auch kritisch mit der Frage auseinander, wie stark wir uns von Computern und ihren Programmen bestimmen und manipulieren lassen.“

Hörfunk
Michael Stein, Wissenssendung „Leonardo“, WDR5 Westdeutscher Rundfunk, E-Mail und die Detektive. Wie die Werbeindustrie uns im Netz verfolgt

Begründung der Jury:

„Michael Stein vermittelt auf unkonventionelle Art, wie die Werbeindustrie persönliche Daten von Internetnutzern sammelt und Profile erstellt. Wie von Geisterhand erscheinen individuell passende Anzeigen auf den Bildschirmen der Nutzer. Der Autor hat dafür kurze Hörspielszenen kreiert, die dem Hörer eine Idee geben, wie leicht die Datenbanken sich füllen lassen, während unbedarfte Anwender im Internet nach Urlaubszielen suchen, ihre E-Mails durchsehen oder nach Fotos suchen. Die lebendig erzählte Rahmengeschichte durchmischt Michael Stein mit Sachbeiträgen, in denen Experten die technische und rechtliche Seite der Datensammelwut erläutern und zeigen, woran aktuell geforscht wird. Der abwechslungsreiche Erzählstil macht den Beitrag kurzweilig, zugleich werden auf unterhaltsame Weise vielfältige Informationen allgemein verständlich vermittelt. Beim Zuhörer löst Michael Stein damit sehr subtil ein Unbehagen über das Allwissen diverser Online-Plattformen aus. Man hört die Programme förmlich arbeiten.“

Fernsehen
Wolfgang Lemme und das Team von Quarks & Co, WDR-Fernsehen, Die Macht der Daten

Begründung der Jury:

„Wolfgang Lemme hat gemeinsam mit dem Team von Quarks & Co eine Sendung über die dramatischen Folgen der allumfassenden Digitalisierung veröffentlicht. Die Sendung fesselt bereits durch ihren Aufbau: Roter Faden ist ein Gespräch im Studio, das den Zuschauer sofort in seinen Bann zieht und sich dann noch in punkto Spannung und Brisanz sogar steigert. Moderator Ranga Yogeshwar und der inzwischen verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher analysieren das Thema als kongeniales Duo und gehen pointiert und sehr verständlich auf brisante Aspekte der digitalen Welt ein. Ihr Gespräch wird dabei immer wieder durch das Einspielen kurzer Filme unterbrochen, die ebenfalls aufgrund der erzählten Geschichten und der visuellen Gestaltung fesseln. Sie handeln von einem durch Computerprogramme ausgelösten Börsencrash oder von fraglicher Selbstoptimierung mit Hilfe von Sportler-Apps. Im Laufe der Sendung wachsen das Bedrohungsgefühl und die Zweifel, ob die umfassende Daten-Analyse nicht mehr Übel als praktischen Nutzen bringt. Wolfgang Lemme und seinem Team ist es gelungen, selbst dem unbedarften Fernsehzuschauer zu vermitteln, welche Macht die Datensammler heute über uns haben und was die Konsequenzen sind, will man sich dem entziehen. Der Beitrag endet jedoch nicht mit einer entmachteten Gesellschaft, sondern er macht dem Zuschauer Mut, auf politischer und sozialer Ebene dem entgegenzuarbeiten und mehr Transparenz in erhobene Daten zu geben: durch die Bereitstellung dieser an alle.“

Preisträger 2013

Print
Bastian Brinkmann, Jasmin Klofta und Frederik Obermaier,
Süddeutsche Zeitung,
Spam vom Staat

Begründung der Jury:

„Schon vier Monate bevor Edward Snowden die NSA-Affäre ins Rollen brachte, veröffentlichte das Autorenteam diesen Beitrag über die deutsche Firma Gamma, die Spionage-Software in die ganze Welt liefert, auch an die Polizei von Unrechtsstaaten. Der Artikel liest sich wie ein Krimi; man wird sofort hineingezogen in die ungeheuerliche Geschichte. Sie lebt von dem Kontrast, dass der scheinbar naiv auftretende Firmenchef Martin Münch die Rechtmäßigkeit seines Tuns niemals in Zweifel zieht und zugleich skrupellos Spionagetechniken an alle Regime der Welt liefert. Spuren der Software Finspy fanden sich zum Beispiel auf Rechnern in Bahrain. Die Autoren, die als erste Journalisten überhaupt Zutritt zum Münchner Firmensitz von Gamma erhielten, setzen die verharmlosenden Aussagen und werblichen Sprüche von Firmenchef Münch wirkungsvoll in Kontrast zu der bitteren Erkenntnis, das mit frei käuflicher Software aus Deutschland in anderen Teilen der Welt Regimekritiker anonym ausspioniert und dann verhaftet werden. Die Jury honoriert die eindrucksvolle Recherche der drei Autoren mit dem Hauptpreis Print. Der Beitrag hat sich äußerst kritisch mit den Schattenseiten der Informationstechnologie auseinandergesetzt. Den Lesern wurde das Ausmaß der technischen Möglichkeiten so anschaulich vermittelt, dass viele sicherlich am Ende schockiert die Zeitung beiseite legten.“

Hörfunk
Till Krause, Bayerischer Rundfunk, Das Abhörgerät in der Hosentasche

Begründung der Jury:

„Ebenfalls schon bevor die NSA-Affäre die Berichterstattung dominierte, setzte sich Till Krause mit der Frage auseinander, wie jedes Smartphone zum Einfallstor für Spionage werden kann – und wie diese Möglichkeit schon vielfach genutzt wird. Zum einen von deutschen Firmen, die mit Spionage-Software Millionen verdienen und diese völlig skrupellos an Unrechtsstaaten exportieren. Zum anderen von den Regimes in Bahrain, Ägypten oder dem Iran, die ihre Kritiker damit überwachen und mit deutscher Expertise ihre Opfer peinigen. Der Hörfunktautor erläutert detailreich die Technologie der Spionagesoftware und begibt sich mit verschiedenen Experten auf die Spur der weltweit agierenden Unternehmen. Die Jury prämiert Till Krause mit dem Hauptpreis Hörfunk, weil er anschaulich zeigt, wie in der versteckt agierenden Überwachungsbranche Fragen nach Moral und Ethik überhaupt nicht gestellt werden. Trotz der Verschwiegenheit der Unternehmen und deutscher Behörden, die bereits Kunde sind, trägt Krause eine Fülle von Informationen zusammen und zeigt mit erschreckender Klarheit auf, dass vieles, was nach Science Fiction klingt, längst Realität geworden ist.“

Fernsehen
Uta Meyer und Jörg Giese, Xenius, Arte, Cybercrime, Darknet und Neues Internet

Begründung der Jury:

„Die beiden Autoren zeigen in ihren Einzelreportagen, wie Angriffe über das Internet zu einem massiven Problem geworden sind, sei es durch unzählige Online-Attacken von Hackern, das organisierte Verbrechen oder staatliche Geheimdienste. Die Zuschauer erfahren, warum ein Hackerangriff die komplette Internet-Anbindung von Estland lahmlegen konnte, was sich hinter dem Darknet, einer dunklen Unterwelt des Internets, verbirgt und wie auch das Bundeskriminalamt Spionagesoftware nutzt, um Verbrechen aufzuspüren. Der Beitrag „Neues Internet“ gibt außerdem einen Ausblick, wie das Internet grundsätzlich in seiner Struktur verändert werden müsste, um sicherer zu werden. Die Jury zeichnet die Beiträge mit dem Hauptpreis Fernsehen aus, weil er auf vielfältige Weise die Bedrohungen im Internet verständlich aufzeigt. Dem Autoren-Duo gelang es, die schwierige, oft abstrakte Materie in Fernsehbilder zu packen und Experten zu finden, die anschaulich und mit vielen Beispielen dem Zuschauer die Dramatik der tatsächlichen Gefahren nahe brachten. Die Sendungsmacher setzen sich kritisch damit auseinander, wie die Möglichkeit des Internet, das anfangs einem guten Zweck dienen sollte, zur Bedrohung und zum Schaden jedes einzelnen Nutzers missbraucht werden kann.“

Preisträger 2011

Print
Frank Fleschner, Focus, Attacken gegen Spam Banden

Begründung der Jury:

„Frank Fleschner berichtet über das illegale Geschäft mit Massen-Mails und benennt kriminelle Hintermänner, die immer noch weitgehend unbehelligt Milliarden von Nachrichten durch das Internet schicken. Handwerklich geschickt präsentiert er beeindruckendes Zahlenmaterial, zahlreiche Zitate von Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft und kombiniert diese mit verständlichen Erklärungen der verwendeten Informationstechnologie zu einem Überblick, der auch Laien ein Gespür für die Bedrohungen der World Wide Webs vermittelt. Indem Fleschner darüber hinaus einen auf dem Gebiet der IT-Sicherheit forschenden Informatiker als Helden inszeniert, der einer Übermacht aus hunderttausend Angreifern entgegen tritt, erhält der Artikel eine gelungene Dramaturgie und liest sich stellenweise wie ein Thriller.“

Radio
Matthias Leitner, Bayrischer Rundfunk (BR 2, Zündfunk), Spiel des Lebens – Wie Gamification die Welt verändert

Begründung der Jury:

„Matthias Leitner erklärt in seinem Beitrag umfassend den noch jungen Trend zur so genannten Gamification, der Übertragung von Spielmechanismen auf nicht spielerische Zusammenhänge, um Menschen damit verstärkt zur Teilnahme zu motivieren. Er illustriert dieses auf den ersten Blick akademische Thema mit zahlreichen Anwendungen und Plattformen aus der realen Online-Welt und Vorlagen durch Science-Fiction-Filme. Auf originelle Art und Weise belegt er, wie Informatik selbst mit ungewöhnlichen Anwendungen den Alltag durchdringt und dadurch Gesellschaft und Wirtschaft neue Möglichkeiten eröffnet. Zusätzlich setzt er medientypische Elemente wie Musik, Sprecher und Hintergrundgeräusche kunstvoll ein und offenbart damit eine Erzählstil, der im höchsten Maße motiviert und inspiriert.“

Fernsehen
Antje Christ und Mike Kortsch, Xenius, ARTE, Robotik

Begründung der Jury:

„Antje Christ und Mike Kortsch schaffen es, in der eingereichten Sendung anspruchsvolle Forschung auf den Gebieten der Robotik und der Künstlichen Intelligenz anschaulich darzustellen. Anhand von Einzelbeiträgen, die sowohl inhaltlich als auch durch ihre Bildsprache überzeugen, erörtern sie lebendig grundlegende Fragestellungen der beiden Forschungsdisziplinen. Das Moderatoren-Duo vervollständigt diese spannende Darstellungsweise. Es ermöglicht durch sympathische Dialoge und unkonventionelle, aber durchaus kritische Fragen eine flotte Ansprache, die gerade Jugendlichen den Einstieg in die komplexe Welt von Künstlicher Intelligenz und Robotik erleichtert.“

Sonderpreis
Martin Schramm,Bayrischer Rundfunk (BR 2, Wissenschaft und Bildung),Der Kampf gegen die digitale Kluft – Wie das Handy Afrika erobert

Begründung der Jury:

„Der Hörfunkbeitrag zeigt auf, wie in einigen der ärmsten Länder der Welt das Handy auf dem Vormarsch ist und auf ungewöhnliche Weise die Menschen an das digitale Zeitalter heranführt. Martin Schramm erzählt unterhaltsam und spannend zugleich, wie automatische Informationsverarbeitung – also Informatik – organisiert werden kann, wenn nicht die übliche IT-Infrastruktur vorhanden ist. Mit kritischem Blick zeigt er die digitale Kluft auf und beleuchtet anschaulich, wie der Mobilfunk dazu beitragen kann, demokratische Strukturen auszubauen und die Bildungschancen in Afrika zu erhöhen.“

Preisträger 2010

Print
Reto U. Schnerider, Neue Züricher Zeitung, NZZ Folio, Wünschelrute mit GPS

Begründung der Jury:

„Im flotten Schreibstil stellt Reto U. Schneider verschiedene Forschungsprojekte rund um den Globus vor, an denen Laienwissenschaftler („forschende Bürger“) mitwirken. Ausgestattet mit Smartphones und GPS-Ortung sammeln diese Daten für den Umweltschutz, etwa über Zugvögel und Lärmbelastung, oder sie melden Psychologen ihre Glücksmomente. Schneider zeigt dabei nicht nur die vielfältigen Möglichkeiten der Informationstechnologie auf, sondern hinterfragt kritisch, inwiefern die auf diese Weise erhobenen Daten den Wissenschaftlern nützen. Er analysiert dabei zum einen die Probleme der großen Datenflut, aber auch die Nachteile der von Laien übermittelten Daten, die oft nicht systematisch aufbereitet sind und dann nur mit einigen Rechentricks verwertet werden können. Schneider fesselt seine breite Leserschaft und zeigt ihr ganz neue Wege der Wissenschaftskommunikation auf, lässt dabei aber auch kritische Untertöne nicht vermissen.“

Radio
Gisela Krone, Südwestrundfunk (SWR 2, Wissen), Augmented Reality - Erweiterte Realität fürs Handy

Begründung der Jury:

„Gisela Krone beschreibt in ihrem halbstündigen Hörfunkbeitrag, wie das Handy heute als Touristenführer, Wohnungsfinder oder mobile Twitter-Anwendung unseren Alltag prägt und verändert. Sie nimmt den Radiohörer in ganz unterschiedliche Alltagssituationen mit und beschreibt subtil die Veränderungen in unseren Lebenswelten, die durch die „erweiterte Realität“ ausgelöst werden. Krone schöpft dabei alle journalistischen Mittel des Hörfunks aus und bringt viel Atmosphäre in ihren Beitrag. Über die lebendigen Bilder und Hintergrundgeräusche wird das eigentlich visuelle Thema hörbar gemacht. Die Redakteurin führte zudem ausführliche Interviews mit Wissenschaftlerinnen und zeigt dadurch, dass die Informatikforschung keineswegs eine Männerdomäne ist.“

Fernsehen
Gabi Glasstetter und Uta Meyer (werwiewas-Medienproduktion), 3sat, neues Akte CCC – Der Chaos Computer Club

Begründung der Jury:

„Gabi Glasstetter und Uta Meyer porträtieren in ihrem halbstündigen Fernsehbeitrag den Chaos Computer Club. Sie begeben sich dafür auf eine spannende Spurensuche in die Vergangenheit und kombinieren geschickt alte Archivaufnahmen mit aktuellen Interviews von Politikern, Wissenschaftlern und den führenden Köpfen des Chaos Computer Clubs. Sie zeigen eindrucksvoll, wie sich der Club zu einem bei Datenschützern und höchsten Gerichten gefragten Expertengremium entwickelt, das auf Sicherheitslücken und Datenmissbrauch hinweist und oft besser informiert ist als die staatlich getragenen Institutionen. Der Film erzählt außerdem, wie der Club von Geheimdiensten angefragt wird und sich dadurch auf eine Gradwanderung zwischen Legalität und Illegalität begibt, bei der einzelne Mitglieder auch abstürzen. Der Beitrag ist fundiert recherchiert und verdeutlicht immer wieder, wie komplex die Informationstechnologie geworden ist und wie sie dadurch schwer zu beherrschen ist. Mit effektvollen Kameraeinstellungen ist der Film auch optisch sehr ansprechend aufbereitet.“

Sonderpreis
Konrad Lischka, Spiegel Online, Hartz-IV-Computer - Ich schenk dir das Tor zur Welt

Begründung der Jury:

„Konrad Lischka erhält einen Sonderpreis, weil er sich auf ungewöhnliche Weise einem Thema der Informationstechnologie zugewendet hat. Er beschreibt ein Ehepaar, das ausgediente Computer sammelt und neu zusammenstellt, um diese kostenlos an Hartz-IV-Empfänger abzugeben. Lischka zeigt anhand dieser lebendigen und schön geschriebenen Geschichte, wie auch in Deutschland viele Teile der Bevölkerung keinen Zugang zur Informationstechnologie haben. Dabei geht es nicht nur um technische und finanzielle Hürden, sondern auch um die Fähigkeit, mit dem Wissen und den vielfältigen Möglichkeiten des Internets umzugehen. Damit hat Lischka ein wichtiges Kriterium des Journalistenpreises Informatik erfüllt, nämlich sich auch gesellschaftskritisch mit den Chancen und Risiken der Informationstechnologie auseinanderzusetzen.“

Preisträger 2009

Print
Steffan Heuer, Technology Review, Immer im Visier

Begründung der Jury:

„Steffan Heuer hat äußerst spannend beschrieben, wie Wissenschaftler heute Unternehmen dabei unterstützen, die Bewegungsmuster von Millionen Menschen in Echtzeit zu erfassen und auszuwerten. Er beleuchtet dabei kompetent und detailreich, was dies für den einzelnen Bürger bedeutet, der längst "im Visier" der Unternehmen ist und ohne sein Wissen ganz persönliche Daten preisgibt. Mit kritischem Blick zeigt Heuer auf, wie auch die Informatikforscher durch ihre gigantische Datensammlung an ethische Grenzen stoßen, weil sie damit den Schutz der Privatsphäre aufheben.“

Radio
Ralf Krauter, Deutschlandfunk, Rechnen mit Qubits - Die Computer der Zukunft nehmen Gestalt an

Begründung der Jury:

„Ralf Krauter hat sehr kenntnisreich und anschaulich erklärt, wie Quantencomputer funktionieren und welche komplexen Probleme sie in Zukunft möglicherweise lösen werden. Er macht deutlich, wie die Quantenphysik die Informatik revolutionieren würde, wenn man dadurch die Rechenleistung von Computern nochmals enorm beschleunigen könnte. Seine Reportage zeigt auch, wie heute gerade an den Schnittstellen verschiedener Forschungsgebiete neue Erkenntnisse entstehen. Krauter hat das theoretische und schwierige Forschungsgebiet der Quantencomputer hörfunkgerecht umgesetzt und die Laboratmosphäre äußerst spannend vermittelt.“

Fernsehen
Yvonne Beckel und Jörn Simon, Kinderkanal KI.KA, Trickboxx, Computerspiele-Programmierung

Begründung der Jury:

„Yvonne Beckel und Jörn Simon ist es gemeinsam mit ihrem Team gelungen, für Kinder verständlich zu erklären, wie ein Computerspiel programmiert wird. Sie haben in ihrem Beitrag die Kinder selbst mit einbezogen und ihre klugen Antworten als Erklärung genutzt. Auf spielerische und amüsante Weise wurde den jungen Zuschauern vermittelt, wie aufwändig es auch für Informatiker ist, ein komplexes Computerspiel zu programmieren. Die Kinder lernten dabei nicht nur schwierige Fachbegriffe kennen, sondern konnten den Informatikern bei der Arbeit zuschauen. Sie erfuhren auch, mit welch hohem Aufwand man nach Fehlern in Computerprogrammen sucht. Am Ende wurden die Kinder nochmals beim Test von Computerspielen als Experten zu Rate gezogen - und damit als selbst urteilende Zuschauer ernst genommen.“

Preisträger 2008

Print
Helmut Martin-Jung, Süddeutsche Zeitung, Es knirscht im Netz, Hack ins Herz, Hör zu, Computer

Begründung der Jury:

„Helmut Martin-Jung hat es verstanden, komplizierte Informatik-Themen für die Leser einer Tageszeitung interessant zu gestalten. Trotz der gebotenen Kürze der Artikel wurden die wesentlichen Zusammenhänge sehr verständlich und pointiert vermittelt. Durch anschauliche Beispiele als Einstieg wurde sofort die Neugierde der Leser geweckt. Es ist ihm damit gelungen, auch Leser anzusprechen, die sich im Allgemeinen wenig für Informatik interessieren.“

Radio
Wolfgang Schiller, Bayrische Rundfunk (BR 2, IQ – Wissenschaft und Forschung), Hinter der Großen Mauer – Internet in China zwischen Geldmaschine und Gedankenpolizei

Begründung der Jury:

„Wolfgang Schiller hat sich am Beispiel von China gesellschaftskritisch mit den Möglichkeiten und Grenzen der Informatik auseinandergesetzt. Er hat es verstanden, einen spannenden Erzählbogen zu entwickeln und die Möglichkeiten des Mediums Hörfunk dazu gezielt einzusetzen.“

Fernsehen
Valentina Hirsch, 3sat, neues spezial, Games 2.0 – Der nächste Level

Begründung der Jury:

„Valentina Hirsch hat sich kritisch und kompetent damit auseinandergesetzt, wie Computerspiele in Zukunft die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt auflösen. Sie hat dabei sehr anschaulich gezeigt, dass Mensch und Maschine künftig nicht nur im Spiel auf ganz vielfältige Weise miteinander kommunizieren werden.“

Sonderpreis
Anne Klesse, Berliner Morgenpost, Die ganze Welt besteht aus Daten

Begründung der Jury:

„Anne Klesse hat auf sehr lebendige und sympathische Weise eine Informatik-Dozentin und Hackerin porträtiert. Sie hat dabei gängige Vorurteile entlarvt und spannend vermittelt, wie sich die Gesprächspartnerin gesellschaftskritisch mit der Informatik auseinandersetzt. Der Artikel ist geeignet, junge Leser und Menschen, die der Informatik sonst fern stehen, für das Themenfeld zu interessieren.“

Preisträger 2007

Print
Gordon Bolduan, Technology Review, Ende des Wohlwollens

Begründung der Jury:

„Dieser Beitrag stellt gut und allgemein verständlich die Möglichkeiten und Grenzen der Informatik dar und gibt damit der Leserschaft neue Denkanstöße. Die Zusammenhänge werden sehr gut beleuchtet. Er weckt damit in der breiten Öffentlichkeit das Interesse für Themen der Informatik und vermittelt anschaulich die Forschungsergebnisse.“

Radio
Thomas Reintjes, Deutschlandfunk, Sehen und Verstehen: Computer lernen den Umgang mit Bildern

Begründung der Jury:

„Der Beitrag vermittelt allgemein verständlich Forschungsergebnisse der Informatik und ihre Anwendungen und gibt Anstöße für eine gesellschaftskritische Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der Informatik. Obwohl der Beitrag nicht die volle Bandbreite des Mediums Hörfunk ausschöpft, ist es dem Autor dennoch sehr gut gelungen, Fragestellungen in der Informatik sowie aktuelle Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit interessant zu vermitteln.“

Fernsehen
Friedemann Hottenbacher, 3sat, hitec, Simulierte Welten – Die Erfindungen der Wirklichkeit

Begründung der Jury:

„Dem Autor ist es in diesem Beitrag gelungen, den Fernsehzuschauern in unterhaltsamer Weise eine Fülle von derzeit aktuellen Anwendungen von Computersimulationen darzustellen. Mit Hilfe der dem Publikum bekannten virtuellen Welt Second Life habe er die Bedeutung von Simulationen anschaulich vermittelt.“ Hiermit erfülle der Beitrag mehrere Anforderungen der Statuten des Journalistenpreises. Er wecke in der breiten Öffentlichkeit das Interesse für Themen der Informatik, vermittle allgemein verständlich Forschungsergebnisse und ihre Anwendungen und verdeutliche, wie die Informatik heute viele Lebensbereiche unterstützt und beeinflusst.

Sonderpreis
Jörg Brunsmann, WDR 1 Live, 20 Jahre MP3

Begründung der Jury:

„Dieser Beitrag wendet sich als einziger der eingesendeten Beiträge in einem lockeren Erzählstil an jugendliche Hörer. Er verdeutlicht ihnen, wie die Informatik heute viele Lebensbereiche unterstützt und beeinflusst. Indirekt führt er sie dadurch auch an das Studien- und Ausbildungsfach Informatik heran.“

Preisträger 2006

Print
Thomas Kuhn, Wirtschaftswoche, Total vernetzt

Begründung der Jury:

„In diesem Beitrag wurde ein hochaktuelles Thema - das intelligente Web (Semantisches Web) - in seiner Komplexität aufgegriffen und es gelang dem Autor, die Rolle der Informatik in allen Lebensbereichen deutlich zu machen. Neben den aktuellen Möglichkeiten wurden Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt.“ Das Interview mit dem Interneterfinder Sir Tim Berners-Lee habe Thomas Kuhn als Stilmittel genutzt, um durch die Stellungnahme dieses weltbekannten Wissenschaftlers die Bedeutung und die Zukunft dieses Forschungsgebietes herauszustellen. Der Text sei außerdem durch eine ansprechende bildliche und grafische Darstellung ergänzt worden.

Radio
Iska Schreglmann, Christina Teuthorn und Wolfgang Zehentmeier, Bayrischer Rundfunk (BR 2, Das Wissensmagazin am Freitag), Mensch und Maschine – Wer beherrscht wen?

Begründung der Jury:

Begründung der Jury: „Mit dem Beitrag ist es gelungen, einer breiten Öffentlichkeit ein Thema der Informatik interessant und fesselnd zu vermitteln, insbesondere durch den Einsatz verschiedener Formate in einem Beitrag. Neben den reinen Informationen erlebt der Zuhörer durch die Auswahl der gesendeten Geräusche eine intensive Nähe.“ Der Zuhörer werde in diesem Beitrag als Nutzer der Informatik-basierten Entwicklungen ganzheitlich angesprochen.

Fernsehen
Wolf Gebhardt, Deutsche Welle TV, Mozart-Code

Begründung der Jury:

„Die Jury ist einhellig der Meinung, dass es eine große Herausforderung ist, die Informatik bildnerisch darzustellen. Dies zeigt auch die geringe Zahl der eingesendeten Fernseh-Beiträge. Der Beitrag von Wolf Gebhardt überrascht durch seinen ungewöhnlichen Zugang zu diesem Thema.“ Bedingt durch den „literarischen“ Titel und dem Einstieg des Themas über eine "kulturelle Brücke"(Musik von Mozart) gleite der Zuschauer in die Denkweise der Informatiker und nehme somit seinen Zuschauern in diesem abgerundeten Beitrag die Scheu vor diesem noch neuen Fachgebiet.
Der Autor habe ein Thema ausgewählt, dessen Nähe zur Informatik der Laie nicht vermutet und dass durch diese Bezüge überrascht.

Sonderpreis
Katja Nellissen, WDR 5 (Leonardo – Wissenschaft und mehr), Hau in die Tasten, Mädel! – Informatikstudium für Frauen

Begründung der Jury:

„Dieser Beitrag hat als einziger der Einsendungen den Mangel an weiblichen Studenten in dem Fach Informatik thematisiert. Originell werden zwei Studiengänge für Studentinnen dargestellt und somit die insbesondere weibliche Jugendliche an das Studien- und Ausbildungsfach Informatik herangeführt. Hierdurch werden Denkanstöße gegeben für eine gesellschaftskritische Diskussion über den Mangel an Frauen innerhalb der Informatik in Deutschland.“